es wird zeit

interkulturelle dialoge über die zeit um 1500

Foto: Katrin Greiling

 

2013/14 forschten wir mit zwei Berliner Schulklassen/ein Kindergarten und KünstlerInnen im Projekt „Kick-off Cranach“ über das Wirken des Renaissancekünstlers Lucas Cranach.

Eine Frage hat sich damals besonders vehement herausgebildet: Wie gehen muslimische Betrachter mit der christlichen Ikonographie um? Und aus welchem Selbstverständnis heraus hätte sie damals- vor 500 Jahren- auf diese Bilder geschaut? Um dem auf die Spur zu kommen stellten wir die Frage, wie sich der gegenseitige kulturelle Austausch der verschiedenen Weltkulturen im 16. Jahrhundert gestaltete. Was war dem vorausgegangen?

Das Konzept
Die Grundidee war das „gemeinsam auf Reise gehen“ von Kindern/Jugendlichen, KünstlerInnen/WissenschaftlerInnen und Pädagogen/innen.
Als Ausgangspunkt wählten wir sechs Gegenstände, denen eine zentrale Bedeutung am kulturellen Austausch des 16. Jahrhunderts zugesprochen werden kann:
Der Kompass, die Druckerpresse, das arabische Zahlensystem, der Teppich, die Gewürze und die Uhr.
Jeweils sechs festgelegte Schülergruppen einer Klasse begaben sich auf unterschiedliche Forschungsreisen, um Wissen und Erfahrungen zu sammeln und schließlich alle gesammelten Erkenntnisse in der Projektwoche mit den KünstlerInnen in verschiedenen künstlerischen Prozessen umzusetzen. Aus diesen entstand das Weltspiel BASA.
Die Aufgabe der Projektleiterinnen war es, für die Kinder und Künstlerinnen möglichst sichere Räume und Angebote zu schaffen. Dabei standen die folgenden Fragen immer im Vordergrund:

Was brauchen die Kinder?
Wo sind die KünstlerInnen am meisten in ihrem Element?
Wie wird die Zeit der sogenannten Renaissance für die Kinder so lebendig wie möglich?
Wie können wir die verschiedenen Perspektiven der Kulturen möglichst wertneutral herausarbeiten? Wie können wir von der Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in beiden Klassen profitieren?

Unsere Arbeitsweise folgte klaren Strukturen, die immer wieder anwendbar waren, sie war aber auch stark prozess- und bedürfnisorientiert, um Freiraum für die dringenden Fragen der Kinder zu lassen.

In der ersten gemeinsamen Kennenlernphase war uns deshalb wichtig, gemeinsam herauszuarbeiten, was die jeweilige Klasse gerade am meisten beschäftigt und umtreibt.

Zentrales Thema war in beiden Klassen die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Persönlichkeit und Herkunft, wenngleich in jeder Klasse anders ausgerichtet. Daher entschieden wir uns mit den beiden Klassen unterschiedliche Wege zu gehen:
Mit der 6. Klasse der Lemgo-Schule verweilten wir eher in der Schule und folgten deren individuellen Wünsche und Themen, die wir im Kontext der Historie des 16. Jh. stellten. Vor allem das Spiel „Weltreise“ gefiel den Schüler*innen sehr gut und brachte uns im Verlauf des Projektes auch dazu als „Endergebnis“ nicht an einem – wie geplanten – „Künstlerbuch“ zu arbeiten, sondern nach den Wünschen der Kinder an einem selbst entwickelten „Weltreisespiel“.
Mit der 5. Klasse der Charly-Chaplin Schule sind wir mehr nach „Außen“ gegangen, um in kleinen Gruppen den Spuren der Objekte nachzugehen. Hier fanden immer wieder einzelne SchülerInnen Bezüge zu ihren eigenen Wurzeln und erhielten somit gute Resonanz der Mitschüler*innen. Da in der Klasse 19 verschiedene Herkunftsländer vertreten waren, konnten wir auch gut deren Vernetzung vor 500 Jahren verfolgen.
In der ersten Phase erhielten die Klassen per Post „Forschungsaufgaben“, die sie mit ihren Lehrerinnen in Logbüchern bearbeiten konnten. In der zweiten Phase fanden Ausflüge statt, in der dritten Phase entwickelten wir das Weltreisespiel, um abschließend dieses feierlich auszutesten und zu spielen.

Beteiligte Personen
Schulen:
Lemgo-Grundschule, Berlin-Kreuzberg:
Klasse 6a, Lehrerinnen: Bärbel Knau, Petra Krause

Charly-Chaplin Grundschule, Berlin-Reinickendorf
Klasse 5a, LehrerInnen: Susanne Block, Doris Rohrmann, Holger Lusche

Projektleitung:
Petra Larass, Rebecca Raue, Jenny Sréter

KünstlerInnen:
Ada Labahn, Cecilia Hafiz, Tom Lange, Secil Honeywill, Katrin Greiling, Hazem Nasreddine, Lucie Nichelmann, Jürgen Kerber, Lea Hopp, Jessica Backhaus, Johannes Leistner, Katharina Wimmer

Forschungsreisen (Institutionen):
Deutsches Technikmuseum Berlin (mit Druckerwerkstatt)
Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Museum für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin
Buchstabenmuseum e.V.
Kochatelier Ratatouille, Moira Seba
Jan Kath, Design Teppichladen

Endergebnis:
Das „BASA Weltspiel: Eine Reise ins 16. Jahrhundert“
Spielplane, 60 Wissenskarten, 10 Spielfiguren, Universitäten, Handelsstädte, Spielgeld BASA (Spiel kann ausgeliehen werden)

Förderer:
Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

Dokumentation:
CD mit Kurzfilm der Spieleinführung (wird nachgereicht; der Schnitt im Studio ist noch nicht abgeschlossen)
CD mit Dokumentationsfotos